Netzwerk FluR - Netzwerk Fließgewässer im urbanen Raum
Spätestens seit der Einführung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Jahr 2000 hat der Umgang mit den Gewässern einen neuen Stellenwert erhalten. Revitalisierte Fließgewässer im urbanen Raum bieten Chancen und nehmen die Funktion einer linienhaften Biotopvernetzung zwischen Innen- und Außenbereich wahr – sie sind also Bindeglied von Stadt und Land. So bietet gerade im Siedlungsraum das Themenfeld Wasser vielfältige Chancen und Anknüpfungspunkte für eine zukunftsfähige Stadt- und Gemeindeentwicklung – als Naturraum im städtischen Umfeld, als Ort der Erholung und Ästhetik, als gestaltendes Element in der urbanen Bebauung, als Treffpunkt für kulturelle Aktivitäten und nicht zuletzt als Möglichkeit der Umweltbildung für Kinder und Jugendliche.

Diese Chancen werden von immer mehr Kommunen auch zur Verbesserung der weichen Standortfaktoren entdeckt und von Bürgern als Plus für mehr Lebensraumqualität erkannt.
Die Revitalisierung urbaner Flüsse und Bäche stellt aufgrund der städtisch geprägten Rahmenbedingungen allerdings eine besondere und komplexe Herausforderung dar.


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Warum ein Netzwerk für urbane Fließgewässer?
Trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen vor Ort stellen sich den Akteuren bei der Revitalisierung ihrer Gewässer oftmals vergleichbare Fragestellungen. So wächst die Erkenntnis, dass gerade der Erfahrungsaustausch zwischen den Akteuren und Interessierten sowie die Möglichkeit, von bereits realisierten Maßnahmen zu lernen, ein zentraler Erfolgsfaktor ist.

Der Wunsch vieler Praktiker ist es, auf diesem speziellen Gebiet vorhandenes Wissen und Erfahrungen zusammenzutragen und für künftige Projekte zugänglich zu machen. So ist bei einer Tagung zum Thema „Lebendige Gewässer“ Ende 2006 in Osnabrück die Idee gewachsen, ein Netzwerk für urbane Fließgewässer aufzubauen.

Die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. hat deshalb in Kooperation mit der Stadt Osnabrück und mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im April 2007 die Konzeption und den Aufbau eines Netzwerkes Fließgewässer im urbanen Raum (FluR) gestartet.

Als zentraler Knotenpunkt im Netzwerk steht unter www.netzwerk-flur.de eine Internetseite zur Verfügung. Sie ist das virtuelle Eingangstor zum Netzwerk und eröffnet gleichzeitig den strukturierten Zugang zu guten Beispielen aus dem Bereich Gewässerrevitalisierung. Seit Projektstart wurden etwa 60 beispielhafte Vorhaben in Form von Gewässersteckbriefen dokumentiert, die auf der Internetseite zugänglich sind. So ist eine gezielte Suche anhand thematischer Schwerpunkte wie Gewässerökologie, Hochwasserschutz oder Beteiligungsverfahren möglich.

Dieses Aufbauprojekt wurde im März 2008 erfolgreich abgeschlossen.

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Fachlich begleitet wurde dieses Vorhaben von einem Expertenteam mit Vertretern der verschiedenen Fachdisziplinen aus der kommunalen Praxis, Wissenschaft und Planung, die sich für die Revitalisierung von Fließgewässern im urbanen Raum einsetzen. Dieses interdisziplinäre Aufbauteam hat als Ergebnis des Aufbauprojektes den gemeinnützigen Verein Netzwerk Fließgewässer im urbanen Raum (kurz FluR) gegründet. Damit ist eine Struktur für die beständige Umsetzung des Netzwerkgedankens geschaffen.

Mit einer Netzwerktagung zum Thema am 28. und 29. Februar 2008 in Osnabrück stellte sich der neugegründete gleichnamige Verein Netzwerk FluR vor. Die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer unterstreicht den hohen Stellenwert des Themas "Fließgewässer im urbanen Raum" und die Notwendigkeit eines Netzwerkes. Das betonte auch Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, der ausdrücklich die Unterstützung seines kommunalen Spitzenverbandes für das Netzwerk und den Verein erklärte. Ausgehend von der Netzwerktagung ist ein zentraler Arbeitsauftrag für den Verein, die gezielte Auswertung von Beispielvorhaben, um insbesondere Erfolgsfaktoren aber auch Hemmnisse zu identifizieren und übertragbar für andere Vorhaben aufzubereiten.

Im Oktober 2008 startete darum die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. in Kooperation mit dem Netzwerk Fließgewässer im urbanen Raum (FluR) das Projekt „Kritische Evaluation urbaner Fließgewässerprojekte“. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderte dieses Vorhaben, in dessen Rahmen bis Mai 2010 Erfolgsfaktoren, aber auch mögliche Hemmnisse bei der Revitalisierung urbaner Fließgewässerabschnitte untersucht wurden.

Ziel des Projektes war es, ausgewählte Beispiele im Hinblick auf hemmende und fördernde Faktoren zu untersuchen und auszuwerten, um daraus kommunalen Akteuren Handlungsempfehlungen und Checklisten für urbane Fließgewässerprojekte zur Verfügung zu stellen.

Ein zu untersuchender Aspekt war dabei die Rolle umweltpädagogischer Ansätze und ihre Beispielwirkung in diesem speziellen Zusammenhang. Insgesamt sollten mögliche Stolpersteine aufgezeigt und gleichzeitig verallgemeinerbare Erfolgsfaktoren sowie beispielhafte Lösungsansätze aus Erfahrungswerten zusammengestellt werden.

Kernfragen des geplanten Evaluationsprojektes lauteten deshalb:
  • Welche Bedingungen führen zu welchen Ergebnissen?

  • Welche Projekte waren/sind erfolgreich?

  • Welche Erfolgsfaktoren können identifiziert werden?

  • Welche Hemmnisse bestehen?

  • Welche Empfehlungen können daraus für künftige Projekte abgeleitet werden und wie sind diese übertragbar?
Die Ergebnisse sind in der Broschüre „Revitalisierung urbaner Flüsse und Bäche – Empfehlungen und Tipps von kommunalen Akteuren für kommunale Akteure“ zusammengestellt. Die Broschüre kann über das Netzwerk FluR (www.netzwerk-flur.de) oder hier über die U.A.N. bezogen werden.


Das Netzwerk als zentrale Anlaufstelle!
Das Netzwerk FluR ist Anlaufstelle für Kommunen, bürgerschaftliche Initiativen und Aktive und Interessierte zum Thema Revitalisierung städtisch geprägter Gewässer. Es will Kommunen und Initiativen vor Ort praktische Hilfestellungen bei Revitalisierungsprojekten geben und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu diesem Thema fördern. Hierzu werden vor allem bestehende Erfahrungen für Interessierte nutzbar gemacht. Durch fachübergreifende Kompetenz und unbürokratische Unterstützung bei der Revitalisierung von Fließgewässern im urbanen Raum leistet das Netzwerk FluR so auch mittelbar einen Beitrag zur Umsetzung der Ziele der EG-WRRL. Nicht zuletzt steht über enge Querverbindungen zu Experten, Fachverbänden, kommunalen Spitzenverbänden und anderen Kooperationspartnern Kommunen und bürgerschaftlichen Initiativen mit dem Netzwerk eine Informationsplattform zur Verfügung, die das Thema überregional befördert.



2008-08-06_Netzwerk_Flur_Struktur




Interessiert?
Um die erfolgreiche Arbeit im Netzwerk FluR fortzusetzen, wirbt der Verein für weitere Mitglieder. Aber auch ideelle und finanzielle Unterstützer sind willkommen. Werden Sie Mitglied: Bringen Sie sich mit Ihren Themen ein und profitieren Sie vom Austausch und den Erfahrungen anderer!

Weitere Informationen zum Netzwerk finden Sie unter www.netzwerk-flur.de.


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